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2015

Neustart. Flüchtlingskindheit in Augsburg: Sechs Kinder, ein Schicksal

Vorbereitung der Ausstellung

Für 2015 plante der Bezirk Schwaben für Schloss Höchstädt (Landkreis Dillingen) eine Ausstellung zum Thema „Heimatvertriebenen-Kindheit“. Die Kuratorin Stefanie Kautz holte das Thema aus aktuellem Anlass zusätzlich ins jetzt und heute und gab den derzeitigen Flüchtlingskindern ein Gesicht und eine Stimme. Da sie davon ausging, dass die Kinder noch nicht genug Deutsch sprechen, plante sie ein Fotoprojekt mit der Augsburger Fotografin Christina Bleier.

Das Diakonische Werk Augsburg vermittelte den Kontakt zu Flüchtlingskindern. Die Regierung von Schwaben genehmigte das Fotografieren in den Flüchtlingsunterkünften. Koordinatoren der Hausaufgabenbetreuung in den Unterkünften Ottostraße, Windprechtstraße und Grandhotel wählten sechs Kinder aus (jeweils zwei Kinder pro Unterkunft), die gefragt wurden, ob sie Lust hätten dabei zu sein: Hassan aus Afghanistan, Lorina (Vater Syrien, Mutter Ukraine), Marija aus Mazedonien, Sedat aus Serbien, Servinja aus dem Irak, Wassim aus Syrien.

Projektarbeit mit den Flüchtlingskindern ab Oktober 2014

Im Oktober 2014 startete die Projektarbeit. In den folgenden fünf Monaten besuchte die Fotografin Christina Bleier die Kinder in der Schule. Sie ging mit ihnen in die Stadt und erkundete ihre Lieblingsorte, begleitete sie bei Freizeitaktivitäten und nahm ein wenig an ihrem Familienleben teil. Mit Hilfe einiger Requisiten inszenierte die Fotografin die kindlichen „Lebensträume“: Fußballer, Popstar, Kinderärztin, Surferin und Verkäufer im Elektrohandel.

Neben den Fotos von Christina Bleier sollten die Kinder aber auch selbst Fotos von sich und ihrem derzeitigem Leben machen. Hierfür wurden zwei Digitalkameras besorgt. „Die Kinder nahmen diese im Wechsel mit nach Hause und brachten sie nach einiger Zeit dann mit Fotos und kleinen Filmen gefüllt zurück. Es war immer spannend und manchmal auch sehr lustig zu sehen, was den Mädchen und Jungen eingefallen war“, freut sich die Kuratorin Stefanie Kautz.

Zum Abschluss des Projektes durften die Kinder Bezirkstagspräsidenten Jürgen Reichert in seinem Büro am Hafnerberg besuchen, ihn mit Fragen „löchern“ und den Bezirk Schwaben kennenlernen. Im Anschluss lud er alle Kinder noch zu einem Eis ein, der erklärte Höhepunkt eines gelungenen Nachmittags.

Vom 1. April 2015 bis zum 4. Oktober 2015 war die Ausstellung „Neustart. Heimatvertriebenen- und Flüchtlingskindheit“ in Schloss Höchstädt zu sehen. „Bei der Eröffnung waren die Projekt-Kinder mit ihren Familien dabei und staunten, als sie sich in Bildern an den Wänden des Schlosses wiederfanden. Nun freuen wir uns, die Fotos noch einmal in Augsburg zeigen zu können“ so Stefanie Kautz.

 

Ausstellungsinfos:
  • Neue Stadtbücherei Augsburg, Café im Annahof (13.10. – 7.11.2015)
  • Evangelisches Forum Annahof (13.10. – 18.11.2015)

Freier Eintritt täglich (außer Sonntag) zu den Öffnungszeiten.

Plan der Ausstellungsorte

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es beim Bezirk Schwaben, Stefanie Kautz, unter Telefon 0821 3101-275 oder per E-Mail: stefanie.kautz@bezirk-schwaben.de

Konzeption der Ausstellung

Die umfangreiche Ausstellung „Neustart. Flüchtlingskindheit in Augsburg“ besteht aus zwei Teilen und wird gleichzeitig an zwei Orten gezeigt: In der Neuen Stadtbücherei Augsburg und im Evangelischen Forum Annahof.

In der Neuen Stadtbücherei Augsburg werden ein Junge und ein Mädchen näher vorgestellt. Sie präsentieren sich mit eigenem Steckbrief, selbstgeschossenen Fotos und den Bildern der Fotografin Christina Bleier. Daneben verkörpert die großformatige Collage „Sechs Kinder - Ein Schicksal“ das Motto der Ausstellung.

Im Evangelischen Forum Annahof zeigen die Bilder den Alltag der Flüchtlingskinder in ihren Familien und in der Schule. Berührend erscheinen hier die sogenannten „Lebenstraum-Fotos“, von den Kindern selbst aufgenommene Bildkompositionen. Mit den beiden öffentlich zugänglichen Ausstellungsorten möchte der Bezirk Schwaben ein breites Publikum erreichen.

Von Menschen und ihren Geschichten

Wie stellt man aus, was nicht mehr da ist, weil die Menschen, um die es geht, alles zurücklassen mussten? Dieser Problematik begegnet die Ausstellung mit einem autobiographischen Ansatz und trägt die individuellen Schicksale und ein paar besondere Stücke der interviewten Personen zusammen.

Es handelt sich dabei um Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, der Bukowina, Ostpreußen und Schlesien, die bei der Flucht zwischen fünf und elf Jahre alt waren und auf oft verschlungenen Wegen nach Schwaben kamen. Der Ablauf und die Bedingungen der Vertreibung und auch die Ankunft in der neuen Heimat waren von vielen Faktoren abhängig. Kostbare, herübergerettete Erinnerungsstücke und vor allem die lebendigen Berichte der Befragten lassen ein anschauliches Bild vom Gehen, Ankommen und Bleiben entstehen.

Eine ganz besondere Geschichte hat Anna Waschner zu erzählen: Sie war als Flüchtlingskind vier Jahre lang in Schloss Höchstädt einquartiert und wird die Besucher am 26. April mit auf einen Erinnerungs-Rundgang durch „ihr“ Schloss nehmen.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Wassim ist neun Jahre alt und kommt aus Syrien. Seit ein paar Monaten lebt er mit seinen Eltern und den fünf Geschwistern in Augsburg. Wie er hier lebt, was ihm wichtig ist und wie er Deutschland sieht, kann er nur schlecht in Worten ausdrücken. Aber er kann Fotos davon machen!

Daraus ist in Kooperation mit dem Diakonischen Werk Augsburg ein Projekt entstanden, bei dem die Fotografin Christina Bleier seit Oktober 2014 mit der Kamera sechs Kinder begleitet. Diese sind im Alter von acht bis zwölf Jahren, kommen ursprünglich aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, der Ukraine, Serbien und Mazedonien und wohnen derzeit in Augsburger Unterkünften. Sie geht mit den Kindern in die Stadt, damit sie „ihr Deutschland“ zeigen können und leitet sie an, ihren Alltag mit geliehenen Kameras selbst fotografisch festzuhalten.

Besonders berührt haben Fotografin Christina Bleier während des Projektes die große Herzlichkeit und Gastfreundschaft, mit der sie von den Familien aufgenommen und mit der ihr Einblick in das Familienleben gewährt wurde. Auch gelegentlich auftretende Verständigungsprobleme und kulturelle Unterschiede in Sachen Pünktlichkeit und Verbindlichkeit  wurden von dieser Offenheit und Bereitschaft deutlich wieder aufgewogen. 

Beeindrucken ist diese Freigiebigkeit vor allem vor dem Hintergrund, dass die beteiligten Familien nicht nur Schweres hinter sich haben, sondern dass ihr Leben in Deutschland wahrlich kein Zuckerschlecken ist, sie in sehr beengten Verhältnissen leben und mit sehr wenig auskommen müssen.

Nach der Laufzeit in Schloss Höchstädt wird dieser Teil der Ausstellung ab 12. Oktober noch einmal in der Stadtbücherei Augsburg zu sehen sein.Ab Januar wird außerdem ein Film gedreht, in dem Schüler der Schillerschule Augsburg Mitschüler mit Fluchterfahrungen befragen. Dieser wird ab Juli in der Ausstellung zu sehen sein.

So wird dann eine Ausstellung daraus

Um den Besuchern ein möglichst vielseitiges Erlebnis zu ermöglichen, setzt die Ausstellung nicht nur auf Text und Objekte. So werden Ausschnitte aus den im Gespräch mit Heimatvertriebenen entstandenen Tondokumenten als Hörstationzu erleben sein. Beim Ausprobieren eines eigens erstellten Computerspiels kann jeder selbst erfahren wie es ist, in kürzester Zeit sein bisheriges Leben auf einen Koffer voller Sachen zu reduzieren und sich entscheiden zu müssen, was mitgenommen und was zurückgelassen wird.

Die Flüchtlingskinder haben nicht nur selbst fotografiert und sind fotografiert worden, sondern jeder der drei Mädchen und drei Jungen hat auch einenliebevoll gestalteten Steckbrief ausgefüllt, der uns mehr über das Kind und seine Interessen verrät. Aus diesen werden große Ausstellungsdisplays erstellt. Darüber hinaus wird jedes Kind mit den selbst geschossenen Fotos und einer Auswahl der Bilder von Frau Bleier vertreten sein.

Um aktuelle Informationen zum Thema Flüchtlingskinder ergänzt wird dieser Teil der Ausstellung von einer Auswahl kindgerechter Filme der UNHCR, die angeschaut werden können.

Führungen zur Ausstellung für Groß und Klein

Familienführung:
Jeden 2. Sonntag im Monat, 15 Uhr
Kosten: 2,00 EUR/Kind, Erwachsene Eintritt

Überblicksführung:
Jeden 4. Sonntag im Monat, 14 Uhr
Kosten: 2,00 EUR zgl. Eintritt

  • 24. Mai
  • 28. Juni
  • 26. Juli
  • 23. August
  • 27. September

Treffpunkt für beide Führungen: Kasse Schloss Höchstädt

Neustart. Flüchtlingskindheit in Augsburg

Die Ausstellung "Neustart" ist neu gestartet! Jetzt aktuell in Augsburg zu sehen: Die Foto-Ausstellung stellt sechs Kinder und ihre Familien vor und eröffnet eine ganz neue Sichtweise auf das Thema Flüchtlinge: die von betroffenen Kindern. Hassan, Lorina, Marija, Sedat, Servinja und Wassim zeigen ein Stück ihres Alltags, gewähren Einblicke in ihr Familienleben, ihre Träume, ihr Deutschland. Alle Kinder wohnen in Augsburger Flüchtlingsunterkünften und wurden für den Bezirk Schwaben von der Fotografin Christina Bleier sensibel portraitiert.
Ein Teil der Fotos ist in der Stadtbücherei zu sehen, weitere im Foyer des Annahofs und dem dortigen Café.

Ausstellungsorte:

  • Stadtbücherei Augsburg und Café im Annahof, Augsburg
    12.10. – 7.11.2015
  • Evangelisches Forum Annahof, Augsburg, 12.10. – 18.11.2015
    Plan der Ausstellungsorte

Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.